Glossar
Die 95/5-Methode: So funktioniert Traffic-Abrechnung wirklich
Was Perzentil-Abrechnung in der Praxis bedeutet, warum Spitzen ignoriert werden und wie CDR-Vereinbarungen das Modell fair halten.
Veröffentlicht: 14. Dezember 2021 · Aktualisiert 4. Juni 2026
English versionWer Colocation, Cloud-Uplinks oder IP-Transit nutzt, bekommt selten eine Rechnung, die „jedes Byte exakt so“ abbildet, wie es live über die Leitung lief. Anbieter rechnen unterschiedlich ab—im Rechenzentrum ist die 95/5-Methode seit Jahren der übliche Standard.
Bei Vortanix orientieren wir uns bei vielen Connectivity-Produkten an dem, was unsere Upstream-Carrier messen: transparent, in Mbit/s, mit Spielraum für echte Lastspitzen. Dieser Artikel erklärt, was das für Ihre monatlichen Kosten bedeutet—and worauf Sie im Vertrag achten sollten.
Zwei Abrechnungsmodelle
Volumen-Abrechnung bepreist übertragene Daten (Gigabyte oder Terabyte). Oft gibt es ein monatliches Kontingent; darüber hinaus zahlen Sie pro GB. Manche Produkte verhalten sich wie Flatrates mit Fair-Use-Grenze.
Ratengestützte Abrechnung betrachtet, wie ausgelastet Ihre Leitung über die Zeit war. Statt jede Millisekunden-Spitze voll zu berechnen, nutzt die Branche Perzentil-Abrechnung—am häufigsten in der Variante 95/5.
Was ist die 95/5-Methode?
Der Name ist wörtlich gemeint: Im Abrechnungszeitraum (meist ein Kalendermonat) wird der Traffic fortlaufend gemessen. Am Monatsende werden die obersten 5 % aller Messwerte verworfen. Der höchste verbleibende Wert ist Ihre abrechenbare Mbit/s-Rate.
Netze „atmen“. Backups, Patch-Dienste, Kampagnen-Traffic oder kurze Scrubbing-Peaks sind keine Dauerlast—die Perzentil-Abrechnung soll verhindern, dass Sie für jeden Ausreißer dauerhaft den Maximalpreis zahlen.
So läuft die Abrechnung ab
Typisches Mess-Setup:
- Intervall: alle fünf Minuten eine Messung (ein- und ausgehend oft getrennt oder summiert—Vertrag prüfen).
- Messungen pro Tag: 288 (12 pro Stunde × 24).
- Bei 30 Tagen: rund 8.640 Messpunkte.
- Entfallen (obere 5 %): etwa 432 höchste Werte—rechnerisch ~36 Stunden verteilt über den Monat.
Nach dem Streichen der Spitzen gilt der nächsthöhere Wert multipliziert mit Ihrem vereinbarten Mbit-Preis. Ihr Port kann 1 Gbit/s physikalisch sein—abgerechnet wird die genutzte Perzentil-Rate, nicht die Deckelung.
Praxis-Tipp: Klären Sie, ob an der Übergabe gemessen wird, nach Shaping oder über mehrere VLANs aggregiert. Bei Vortanix steht der Messpunkt in der Leistungsbeschreibung—damit Graphen und Rechnung zusammenpassen.
Warum Kunden davon profitieren
Perzentil-Abrechnung entspricht der Kapazitätsplanung: Sie dimensionieren für Dauerlast plus Reserve—not für einen fünfminütigen Backup-Burst um 3 Uhr nachts.
Im Vergleich zur reinen Spitzenabrechnung bedeutet 95/5 meist:
- Planbarere Rechnungen bei ungleichmäßigem Traffic.
- Weniger Strafe für Wartungsfenster und Batch-Jobs.
- Eine Kennzahl (Mbit/s), die sich Monat für Monat vergleichen lässt.
Gratis ist das nicht: Steigt Ihre Dauerlast, steigt auch das Perzentil. Das Modell verzeiht Spitzen—nicht dauerhaftes Wachstum.
CDR: die Absicherung
Man könnte theoretisch bei mehreren Anbietern jeweils zwei Tage im Monat vollgas geben und sonst drosseln. Deshalb seriöse Verträge eine CDR (Committed Data Rate).
Die CDR ist Ihre Mindestverpflichtung pro Abrechnungsperiode—auch wenn das 95. Perzentil auf null fiele, zahlen Sie mindestens die CDR. Üblich sind Größen um 10 % der Portgeschwindigkeit, projektabhängig aber individuell.
Für Sie bedeutet das: Burst auf „freiem“ Perzentil-Spielraum lohnt sich nur, wenn Sie nicht dauerhaft unter der CDR liegen. Für den Anbieter deckt die CDR Cross-Connect, Port und Transit-Kosten, die unabhängig vom Burst anfallen.
Beim Vergleich von Vortanix-Angeboten lohnt sich der Blick auf Portgröße, CDR, Preis pro Mbit/s und Messrichtung (in, out oder Summe)—nicht nur der Port-Listenpreis.
Ein Praxisbeispiel
Sie haben einen 500 Mbit/s IP-Transit-Port. Tagsüber liegen Sie meist bei 120–180 Mbit/s. Jeden Sonntag schiebt ein Backup Sie vier Stunden auf 420 Mbit/s. An einem Dienstag rutscht ein fehlkonfigurierter Sync für zwanzig Minuten auf 480 Mbit/s.
Unter 95/5 landen Sonntag und Dienstag vermutlich in den verworfenen oberen 5 %. Abgerechnet wird vielleicht ~190 Mbit/s—nicht 480 Mbit/s. Liegt Ihre CDR bei 50 Mbit/s (10 % vom Port), sind Sie darüber; das Perzentil bestimmt die Rechnung.
Läuft die Leitung dagegen den ganzen Monat konstant mit 400 Mbit/s, holt das Perzentil Sie ein—das ist Dauerlast, keine verziehene Spitze. Planung und Abrechnung passen dann zusammen.
Fragen?
Die 95/5-Methode ist fair, wenn sie klar dokumentiert ist: Messintervall, Richtung, CDR, Burst-Regeln und Zugang zu Graphen. So handhaben wir Connectivity bei Vortanix—dieselben Zahlen im Portal, auf der Rechnung und in der Looking Glass.
Sie möchten Ihre Traffic-Graphen einordnen oder eine CDR für ein neues Projekt wählen? Sprechen Sie uns an—wir gehen gern anhand eines Beispielmonats die Werte durch.
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